
Morella - einst Schmelztiegel der Mächtigen
Die Kleinstadt Morella liegt 170 km nordwestlich von Valencia. Sie thront auf 1000 Meter über Meer, beherbergt 2500 Einwohnende und beeindruckt mit ihrer intakten Stadtmauer und der Weitsicht über die Landregion «Els Ports», deren Hauptort sie ist.
Bei der Recherche in den Geschichtsbüchern über die Stadt stellte ich fest, dass sich zu früheren Zeiten die Mächtigen dort aufgehalten und um Morella gestritten haben. Bereits zur Römerzeit logierten hier die Militärs. «Castra Aelia», so hiess die Stadt damals, war Marktstadt. Als sich die Mauren hier niederliessen, bauten sie Morella zur mächtigen Grenzfestung aus, um ihre Gebiete im Süden gegen das aufstrebende christliche Königreich Aragon zu verteidigen.
1232 ereilte Morella das Schicksal der ganzen Region, wurde katholisch und diente nun den Christen als wichtige Festung. Morella war zeitweilig Aufenthaltsort des maurischen Königs von Lérida, des katholischen Heerführers «El Cid», der Könige von Aragonien und des Gegenpapstes Benedikt XIII.
Einige prägnante Zeichen der verschiedenen Epochen sind beim Spaziergang durch die Stadt nicht zu übersehen. Zuoberst auf dem steilen Kalkfelsen, auf dem die Stadt erbaut wurde, ist die maurische Burg unübersehbar. Gleich unterhalb der Burg wurde von 1265 bis 1343 auf dem Fundament der ehemaligen Moschee die dreischiffige Basilika Santa Maria la Mayor aufgebaut. Sie gilt mit ihren zahlreichen Skulpturen an den Portalen weit herum als Prunkstück des gotischen Baustils.
Vier übergrosse menschliche Figuren, je eine männliche und weibliche in Schwarz und in Weiss sind im Patio des Gemeindehauses ausgestellt und werden anlässlich der Prozessionen durch die Stadt getragen. Sie dokumentieren das über mehrere Jahrhunderte andauernde friedliche Zusammenleben von Christen und Mauren.
Gut zu wissen
Heute lebt die Stadt vorwiegend vom Tourismus und der umliegenden Landwirtschaft. In den Läden werden eine grosse Auswahl regionaler Käse, geräucherter Schinken und auch schwarzer Trüffel angeboten. Hingegen hat die Textilproduktion an Bedeutung verloren. Diese hatte ihre Hochblüte im 14. und 15. Jahrhundert. Für die Soldaten, Bauern und Hirten der Umgebung wurden feste Leinenstoffe gewoben, meist uni mit farbigen Streifenbändern. Das erstaunt nicht, denn im Winter muss man sich warm anziehen, es wird hier bitter kalt.




